Microjob_Der Mama-Code

Letzter Ausweg Microjob: Was tun, wenn’s brennt?

Der Einstieg in die Welt des Programmierens ist kein Zuckerschlecken, sondern gleicht vielmehr einem Hindernislauf mit vielen kleinen Erfolgen und noch größeren Niederlagen (leichte Dramatisierung an dieser Stelle). So ergab es sich an einem Sonntagabend, dass ein falsch gesetztes Häkchen im den totalen Zusammensturz meines fast fertigen Blogs zur Folge hatte. Wut, Verzweiflung und totale Frustration färbten meine Laune von einem lebensbejahenden Hellrosa in ein tiefdunkles Anti-Alles-Schwarz.

Dabei hatte sich mein kompliziertes Verhältnis zu WordPress gerade zusehends entspannt. Lange Zeit empfand ich WordPress als kompliziert und zickig, inzwischen betrachte ich es als echten Web-„Zauberkasten“. Wie dem auch sei, Seite zerschossen – Stimmung im Eimer. Selbsthilfe ausgeschlossen, denn das Problem überstieg meine eigene Kompetenz. Wer kann helfen… Sonntag um 22 Uhr?

Nachdem Dr. Google keine Lösung für mich bereithielt, landete ich auf Fiverr. Dort verspricht ein Anbieter „Fix wordpress problems and issues“ für 5 Dollar. 50 ausschließlich positive Bewertungen untermauern die Zuverlässigkeit dieser Aussage. Ich zögere nicht lange und buche den Service. Freizügig übermittle ich dem Anbieter per Mail meine Login- und FTP-Daten und schildere das Problem. Nun muss man wissen, dass Fiverr so genannte Microjobs vermittelt. Also Dienstleistungen, die kurzfristig erledigt werden müssen. Von der Logogestaltung bis zur Marketing-Strategie. Auch professionelle Videoproduktionen werden über Fiverr vermittelt. Der Bereich IT wird ebenso großzügig abgedeckt. Sämtliche Angebote starten bei 5 Dollar und können je nach Umfang und Extrawünschen preislich auch deutlich höher ausfallen. Unterm Strich kommt man als Auftraggeber aber günstig weg – verglichen zur Beauftragung eines Freelancers oder einer Agentur hierzulande.

Nutzung von Fiverr: Moralische Pros und Contras

Fiverr verbindet Anbieter aus über 200 Ländern mit verzweifelten Seelen wie mich. Mein „Retter“ stammt aus Bangladesh. Überhaupt tummeln sich auffallend viele Microjobber aus dem südasiatischen Raum auf der Plattform. Ihr Portfolio reicht von Web-Development bis Datenbankprogrammierung. Das verwundert zunächst kaum, schließlich ist allgemein bekannt, dass Asien einen immensen Pool an IT-Experten beheimatet. Hochqualifiziert und nachweislich zuverlässig und flexibel: Mein Problem wurde in weniger als 24 Stunden behoben. Dennoch lässt mich seitdem ein Gedanke nicht los: War es nicht abgrundtief verwerflich, diesen Weg zu gehen? Fördere ich damit nicht ein System der Selbstausbeutung und Talentverschwendung? Auf der anderen Seite: Nüchtern betrachtet hat es dem Experten am anderen Ende der Datenleitung wahrscheinlich nur wenige Klicks (ergo=Zeit) gekostet, um den Fehler zu finden und auszumerzen. Sprich: Das Geld war leicht verdient. Und 5 Dollar haben in Bangladesh einen ungleich höheren Wert als in westlichen Gefilden.

Am Ende kann man nicht jeden erteilten Microjob in seine moralischen Pros und Contras unterteilen. Vor allem dann nicht, wenn die Zeit gegen einen läuft oder schiere Verzweiflung rationales Denken verhindert. Wie man es dreht und wendet: Allem voran ist die Nutzung von Fiverr immer auch eine Ablehnung hiesiger Standards. Doch wer denkt an den erfahrenen Freelancer um die Ecke, wenn’s einer 7.000 Kilometer entfernt 200-fach billiger macht? Fiverr zu nutzen ist zudem ein bisschen wie Spicken auf hohem Niveau. Klar, jeder macht’s, und für den Moment ist es auch hilfreich. Aber ist es auch nachhaltig? Schließlich bekommt man den dokumentierten Lösungsweg nicht mitgeliefert…

Artikelbild: Pexels/unsplash.com

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